Pressemeldung

Große Anwenderstudie zu Industrie 4.0 in Deutschland – Hohe Potenziale, aber auch Unsicherheit und unklare Verantwortungen

Aktuelle Experton Group Studie mit 368 Interviews zeigt Status und Zukunft von Industrie 4.0 aus Unternehmenssicht

Die Experton Group hat aktuell eine umfangreiche Befragung von ICT-Entscheidungsträgern ausgewählter Branchen durchgeführt, um die Einstellung und Zukunftsplanung deutscher Unternehmen zum Thema „Industrie 4.0“ zu untersuchen. Insgesamt wurden 368 Interviews mittels eines strukturierten Fragebogens mit 30, teilweise sehr umfangreichen, Fragen erfasst und ausgewertet. Grundsätzlich wurden „Industrie 4.0 Entscheidungsträger“ befragt, wozu neben Geschäftsleitung und Leiter Produktion auch verschiedene leitende IT-Positionen gehörten. 

Die Studie wurde am 25.08.2014 von der Experton Group veröffentlicht. Mit dieser Pressemitteilung wollen wir einige ausgewählte Ergebnisse aufzeigen und kommentieren.

„Industrie 4.0“ ist eines der wichtigsten Zukunftsthemen für die exportierenden Fertigungsunternehmen und insgesamt die gesamte deutsche Wirtschaft. Unter diesem Oberbegriff werden Lösungen, Prozesse und Technologien der sogenannten „4. Industriellen Revolution“ zusammengefasst, die einen hohen Einsatz von IT und einen hohen Vernetzungsgrad der Systeme beschreibt. Dies schafft komplett neue Möglichkeiten in Produktion und Vermarktung und wird in den nächsten Jahren die globale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen stark beeinflussen.

Die Experton Group hat, basierend auf dem vom BITKOM Verband und dem Fraunhofer Institut IAO prognostiziertem Wirtschaftspotenzial,  eine Analyse  und Abschätzung der durch Industrie 4.0 erwachsenden ICT-Investitionen erstellt. Demnach werden deutsche Unternehmen bis zum Jahr 2020 rund 10,9 Milliarden Euro in ICT-Lösungen für Industrie 4.0 investieren. Für das kommende Jahr 2015 sind das  654 Millionen Euro relevante externe ICT-Investments alleine in Deutschland.

„Die Experton Group wertet die optimistischen Rückmeldungen der befragten Unternehmen und Hauptbranchen zu zukünftigen Investitionen in der IT und produktionsnahen IT sehr positiv.  Aus unserer Sicht sind dies Indikatoren für eine zeitnahe, oftmals aber noch initiale, Umsetzung von Industrie 4.0.“ kommentiert der Projektleiter der Studie Dr. Michael Weiß, Senior Advisor bei der Experton Group.

Dass das Thema Industrie 4.0 in der deutschen Wirtschaft durchaus schon angekommen ist, zeigen die Antworten auf die Frage: „Haben Sie sich schon mit dem Thema Industrie 4.0 beschäftigt?“.  Über alle Unternehmensklassen hinweg haben sich immerhin 70% mit dem Thema bereits – mehr oder weniger intensiv – beschäftigt. Besonders die größeren Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern sind in der Entwicklung deutlich vorn. Hier wurden auch schon entsprechende Projekte durchgeführt und sind zu über 25% in der Strategie-/Planungsphase. Da aber neben den 30%, die das Thema überhaupt nicht kennen, weitere 29% angeben „kenne ich, wir haben aber noch keine Aktivitäten durchgeführt oder geplant“, bleibt noch ein großes Potenzial für die Aufklärung zu Nutzen und Notwendigkeiten.

Die weitere Analyse der Gründe für das teilweise Desinteresse an dem Thema und die mangelnde Priorisierung zeigt klar, dass neben der pauschalen Antwort „kein Bedarf“ eine Vielzahl von verschiedenen Unsicherheiten genannt werden, z.B. dass Maschinen und IT nicht dafür geeignet sind und dass man intern noch nicht so weit ist und damit auch kein Know-How existiert. Wirtschaftliche Aspekte (Kosten, kein Mehrwert, …) werden ebenfalls häufig genannt, was zeigt, dass eine solide Wirtschaftlichkeitsrechnung für das Thema notwendig ist.

Sehr interessant ist die Analyse, welche Management Level sich im Unternehmen mit dem Thema Industrie 4.0 beschäftigen. Bei über der Hälfte der Unternehmen ist dies der technische Bereich („Produktion“) und immerhin bei 45% beschäftigt sich die Geschäftsführung mit dem Thema. Dies ist ein sehr gutes Zeichen für das Erkennen der Geschäftsrelevanz. Weniger gut ist, dass sich erst 34% der IT-Entscheider damit beschäftigen – hier ist also ein deutlicher Nachholbedarf zu attestieren.

Neben der reinen Beschäftigung mit dem Thema stellt sich natürlich auch die Frage „wer ist verantwortlich?“. Hier zeigt sich – durchaus überraschend – dass bei 41% der Unternehmen noch überhaupt kein (übergreifend) Verantwortlicher für Industrie 4.0 benannt wurde. Der CIO/IT-Leiter trägt aktuell nur in 14% der Unternehmen die Verantwortung.

Andreas Zilch, Lead Advisor der Experton Group: “Hier sehen wir eine große Chance für den IT-Bereich und auch für den CIO, sich positiv für den Unternehmensnutzen zu positionieren. Es handelt sich um ein Business/IT Thema und die IT sollte die Verantwortung insbesondere für horizontale Vernetzungsprozesse übernehmen. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass dies notwendig ist – man sollte aber dabei keine Zeit verlieren!“

Zusammenfassung und Ausblick

Industrie 4.0 ist eines der wichtigsten ICT-Themen – 2014, 2015 und in den folgenden Jahren. Dies hat vielfältige Gründe – der wichtigste ist, dass es primär ein Business-Trend ist, mit dem die globale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft sichergestellt und ausgebaut wird. Dies ist keineswegs ein theoretischer Ansatz, sondern vielmehr Realität. Das  zeigen nicht nur viele Best-Practice Beispiele deutscher Unternehmen, gerade aus dem Mittelstand.

Die Befragung im Rahmen der Experton Group MultiClient-Studie zeigt aber auch, dass die Potenziale und Chancen noch nicht überall „angekommen“ sind und teilweise auch noch große Unsicherheiten herrschen. Diese Unsicherheiten zu überwinden und die Potenziale sehr zeitnah zu adressieren wird eine herausragende Aufgabe für die nächsten Jahre sein.

Die Transition wird extrem spannend – hier wird es massive Gewinner und Verlierer geben (aus Sicht der Kunden). Dies wird sowohl auf der Seite der Industrie 4.0-Anwender zu beobachten sein, die ihre Produkte, Lösungen, Prozesse und Geschäftsmodelle komplett neu gestalten müssen. Und ebenso bei den ICT-Anbietern, die dieses sich neu entwickelnde Marktsegment adressieren wollen. Ohne ein klares Kunden- und Prozessverständnis und den eigenen Willen, in Lösungen und Plattformen zu investieren, wird dies nur schwer möglich sein.

Die Erstellung der vorliegenden Studie wurde durch die Sponsoren Atos, BT, Cancom, Cisco, Empolis, Freudenberg IT, IBM, Telekom Deutschland, TrendMicro, Wincor Nixdorf und Zimory unterstützt.

Die Experton Group bietet die Ergebnisse der MultiClient-Studie und der weiteren Industrie 4.0 Analysen in vielfältiger Form zum Nutzen von Anwendern und Anbietern an, z.B. für Strategie Workshops, Vorträge und individuelle Studien. Ergänzend bietet die Experton Group das Explorer Modell zur Ermittlung der ganz individuellen Industrie 4.0 „Readiness“ und daraus abzuleitender Maßnahmen an.

 

Bild und Biographie von Dr. Michael Weiß und Andreas Zilch finden Sie unter folgenden Links:
http://www.experton-group.de/team/person/article/weiss-michael.html
http://www.experton-group.de/team/person/article/zilch-andreas.html

 

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