Versicherungswesen: Mehr Investitionen in mobile und Internet-Kanäle
Cal Braunstein
Eine neue Umfrage hat ergeben, dass Versicherungsunternehmen im Laufe der nächsten drei Jahre jeweils durchschnittlich über 84 Millionen USD in den Ausbau ihrer Mehrkanal-Vertriebsnetze investieren wollen. Im Rahmen der von Accenture Plc. in Auftrag gegebenen Umfrage wurden leitende Angestellte aus 125 großen Versicherungsfirmen weltweit befragt, und zwar sowohl Lebens- als auch Sach- und Haftpflichtversicherer. Die wichtigsten Untersuchungsergebnisse:
- Laut Umfrageergebnissen sind fast zwei Drittel der befragten 125 Versicherer weltweit der Meinung, dass ihre derzeitigen Distributionsstrategien nicht wirklich konkurrenzfähig sind. Deshalb sollen im Laufe der nächsten drei Jahre durchschnittlich 84 Millionen USD in den Ausbau der Mobilitätsfähigkeiten, das digitale Marketing, u.a. auch Social Networking, sowie die Kanalintegration gesteckt werden.
- Des Weiteren zeigen die Umfrageergebnisse, dass die Marketingstrategien mehr auf bestimmte Kundensegmente zugeschnitten werden sollen. Laut Aussagen von circa einem Viertel der Befragten sollen in den nächsten drei Jahren die Produkte, Werbemaßnahmen, Kanäle, Dienstleistungen und Preisstrategien individuell angepasst werden. Derzeit ist eine solche „Customization“ laut Umfrage nur in 14 Prozent der Versicherungsunternehmen zu finden.
- Die Ursachen für ihre geänderten Investitionsprioritäten liegen laut der befragten Versicherer vor allem im Aufkommen neuer Technologien, geänderten Kundenanforderungen, neuen gesetzlichen Vorschriften und Beratungsempfehlungen hinsichtlich des Vertriebs von Versicherungsprodukten. Laut Accenture gaben zwar über 60 Prozent der Befragten an, dass alle Services innerhalb von drei Jahren online zur Verfügung stehen sollen, aber nur 21 Prozent erwarten in diesem Zeitrahmen auch das Angebot dieser Dienstleistungen auf mobilen Geräten.
Nach Meinung der Experton Group erkennt nicht nur die Versicherungsbranche reichlich spät, dass sich die Verbraucherwünsche geändert haben. Wer als „Early Adopter“ die neueren Distributionskanäle in seine Geschäftsprozesse integriert (anstatt isolierte Silos aufzubauen), kann als Vorreiter entsprechend davon profitieren. Diese Prozesse müssen sich allerdings auf den Kunden konzentrieren und nutzerfreundlich sein, nicht produktorientiert bzw. anbieterbasiert, sonst bleibt die Akzeptanz und Nutzungsrate niedrig. Die IT-Experten haben in vielen Branchen noch die Möglichkeit, der Geschäftsführung und den Fachbereichsverantwortlichen zu zeigen, wie man anhand neuer Technologien innovativ Umsätze und Marktanteile steigern kann. Dieses Zeitfenster und die damit verbundenen Chancen sollten von den IT-Verantwortlichen dazu genutzt werden, ihre Führungsrolle, ihren Geschäftssinn und ihre Innovationskraft unter Beweis zu stellen.


