Pressemeldung
Der Consumer als Innovationstreiber - 10 Trends im Mobile Business
„Der Kunde ist König“ – so könnte bald das Motto im Mobile Business lauten. Nachdem in der letzten Dekade die mobilen Innovationen stark durch die Netzinfrastruktur und die technologische Entwicklung der Endgeräte bestimmt wurden, wird die neue Innovationswelle im Mobile Business, analog zum Web 2.0, primär durch die Endnutzer geprägt sein: „Es ist daher unerlässlich, die Vorlieben und Gewohnheiten der Mobilfunknutzer zu verstehen und zu analysieren“ so Carlo Velten, Senior Advisor der Experton Group AG, „Das Vertrauen und Verständnis in bisher genutzte Internetdienste werden dafür sorgen, dass diese auch mobil genutzt werden“. Neben dem Vertrauen in den Anbieter spielen laut Velten aber auch leistungsfähigere mobile Browser und fluide Displays sowie Handy-Flatrate-Tarife eine wesentliche Rolle.
1. Social Mobile Networks
Die hohe Akzeptanz von Social Networks im Internet und deren intensive, hoch frequente Nutzung stellt für die Netzbetreiber eine der „Killer-Applikationen“ der kommenden Jahre sowohl im B2C als auch im B2B-Bereich dar. Speziell Social Networks, deren Fokus auf orts- und dienstleistungsbezogene Informationen liegen und sich auf eine klar definierte Zielgruppe beziehen, verfügen über ein hohes Kommerzialisierungspotenzial. So bietet beispielsweise MyCityMate.com eine Kombination nutzergenerierter, ortsbezogener Informationen, die mobil verfügbar und editierbar sind. Für Netzwerkbetreiber wird es erfolgskritisch sein, Kooperationen mit Social Networks einzugehen, die sich in ihre bisherigen Zielgruppen- und Marketingstrategien integrieren. Auch wird die Dynamik im Marktsegment der mobilen Social Networks stark von den Tarifstrukturen und Flatrate-Tarifen abhängen, da bei derzeitigen Vertragsstrukturen freizügiges Surfen häufig mit einer hohen Monatsrechnung quittiert wird.
2. Location-based Services / Context-based Services
Mit der Auslieferung der ersten GPS-fähigen Endgeräte zu Beginn diesen Jahres haben die Gerätehersteller den Startschuss zur massenhaften Verbreitung dieser Geo-Informationstechnologie gegeben, nachdem GPS-Systeme als Navigationshilfen im Auto sukzessive das Vertrauen der Nutzer gewonnen haben. Es ist davon auszugehen, dass bis 2010 ein Großteil der ausgelieferten Mobiltelefone „GPS-enabled“ sein werden. Positiv dürfte sich das Vertrauen der Nutzer in internetbasierte Karten- und Routingsysteme wie Google Maps oder Yahoo Maps auswirken, deren einfache Nutzung auf dem Mobiltelefon natürlich von leistungsfähigen und etwas größeren Displays abhängt. Die weitere Miniaturisierung der Endgeräte dürfte sich daher zugunsten leistungsstärkerer Displays zukünftig verlangsamen oder gegebenenfalls sogar umkehren. Potenziell attraktive Dienst werden neben einfachen Routing- und Navigationsdiensten so genannte „mobile Mash-Ups“ sein, die lokale, nutzer- oder einkaufsbezogene Informationen mit den Geodaten der GPS-Dienste verknüpfen. Dies können mobile Parkplatzbuchungsservices sein, genauso wie die eher verspielte Anwendung des Geo-Caching, einer geodatenbasierten Schatzsuche, die international eine große Fangemeinde hat. Dem Schutz der Privatsphäre und dem Vertrauen der Nutzer sollte von Anbieterseite her eine hohe Aufmerksamkeit gewidmet werden.
3. Mobile Shopping („Smart Consumer“)
Die hohe Akzeptanz des Internet-Shoppings bietet ein solides Fundament für die Entwicklung des Mobile Shoppings. Das volle Potenzial mobiler einkaufsunterstützender Services wird allerdings erst erreicht werden, wenn RFID seine flächendeckende Einführung findet und mobile Endgeräte auf produkt- und lokationsspezifische Angaben direkt zugreifen können. In diesem Szenario werden Kunden zukünftig Produkte beispielsweise mit dem Mobiltelefon scannen, um nicht nur Preise zu erfahren, sondern das Produkt mit dem eigenen Shoppingprofil abzugleichen, um beispielsweise festzustellen, ob die Zutaten biologisch hergestellt oder die Eingangsstoffe aus fairem Handel bezogen wurden. Preisvergleiche über Supermärkte hinweg werden ebenso möglich sein, wie die Nutzung mobiler Coupons. Wesentlichen Einfluss auf die mobile Einkaufsunterstützung werden wiederum soziale Netzwerke nehmen, die z.B. verbraucherrelevante Informationen und Erfahrungen beisteuern, die dann mit bestimmten Produkten oder Produktgruppen verlinkt werden. Die Nutzerbeurteilungen, die sich derzeit noch auf Verbraucherbewertungsportalen wie Ciao.com oder dooyoo.com befinden, werden in die mobile Welt integriert. Auch Produktbewertungen, die die Hersteller im Internet generieren werden zukünftig mobil zur Verfügung stehen und dem Shopper „on the spot“ Zusatzinformationen bereitstellen. Daneben werden in jugendlichen Zielgruppen neue Einkaufsphänome wie „Shop-Mobs“ auftreten, bei denen sich Konsumenten ad hoc oder ereignisgetrieben zu mobilen Einkaufsgemeinschaften verbinden, um möglichst schnell an bestimmte Produkte heranzukommen. Generell werden sich kollektive Verbrauchererfahrungen („Social Shopping“ oder „Schwarmintelligenz“) als individuelle und produktbezogene Einkaufshilfe mobil nutzen lassen, was den Konsumenten nicht nur Zusatzinformationen, sondern aktive Kaufunterstützung und Vertrauen bietet. Die Abhängigkeit der Einzelhändler von der Bewertungsmacht der Kunden wird sukzessive steigen.
4. Mobile Payment
Eine Voraussetzung und Begleiterscheinung des Mobile Shoppings werden mobile Zahlungsverfahren sein, die den Bargeldverkehr in den kommenden drei bis fünf Jahren deutlich reduzieren werden. Hier haben sich allerdings noch keine eindeutigen Markt- und Vertrauensführer herausgebildet, da der Markt noch in den Kinderschuhen steckt. Erst nach einer Konsolidierung und Einigung auf Standards zur Verbindung unterschiedlicher mobiler Zahlungsservices und mobiler Währungen ist eine dynamische Verbreitung zu erwarten. Börsen zum Tausch verschiedener virtueller Währungen wie Paypal, LindenDollar, Flugmeilen u.a. werden die Liquidität der virtuellen Währungen stärken und mobil nutzbar sein, so dass ein Kunde nach kurzer Transaktion seinen Einkauf auch mit Flugmeilen zahlen kann, die er kurz zuvor mobil gegen Happy Digits eingetauscht hat. Die Anbieter werden im Bereich Mobile Payment neuen Anforderungen an Transparenz und Sicherheit dem Kunden gegenüber genügen müssen. Mangelnde Serviceleistungen und Transparenz werden durch schnell mögliche Anbieterwechsel direkte finanzielle Auswirkungen für die Anbieter haben.
5. Mobile Advertisement
Mit der Verbreitung 3G-fähiger Endgeräte und der Nutzung internetbasierter Services wird das Volumen an so genannten „rich-content“-Werbeformen auf Mobiltelefonen in den kommenden Jahren dramatisch ansteigen. Erfolgreich werden Werbeformate und –Strategien sein, die sich an die Konventionen des Internet anlehnen. So kann Werbung im Bereich der mobilen Internetsuche, auf mobilen Portalen oder viral in Umlauf kommen. Kreative Kampagnen, die sich viral verbreiten, werden die höchste Erfolgsquote aufweisen, wobei das suchbasierte Anzeigengeschäft den größten Marktanteil ausmachen wird. Die Experton Group schätzt, dass sich das Werbevolumen für mobile Marketing bis zum Jahr 2010 weltweit auf über $ 10 Mrd. steigern wird.
6. Mobile Brands
Im Zusammenhang mit der rapiden Entwicklung des mobilen Werbemarktes, wird es für etablierte Marken erfolgskritisch sein, ihren Zielgruppen auch in die mobile Welt zu folgen. Analog zum Internet ist auch die mobile Welt von abertausenden von Angeboten und Werbeplätzen bevölkert, welche den Nutzern die Orientierung erschweren. Erkennbare und vertrauensstützende Marken werden somit auch in der mobilen Welt eine dominante Position einnehmen. Allerdings sollten Unternehmen bei der Einführung von Marken und Images in die mobile Welt, deren Spezifika und die neuen Verhaltensweisen ihrer Zielgruppen zu respektieren wissen.
7. Mobile TV
Das mobile Fernsehen bietet für die Netzwerkbetreiber und Rechteinhaber ungeahnte Chancen zur Mehrfachverwertung von Inhalten. Doch müssen noch viele Hürden überwunden werden, um den Nutzern akzeptable Angebote zu unterbreiten. So müssen nicht nur die Endgeräte und Medienformate optimiert sowie die Tarifstrukturen überdacht werden, um Mobile TV attraktiv zu machen. Auch sollten die Wahlfreiheit, an die die Kunden sich im Internet gewöhnt haben sowie soziale Aspekte mitbedacht werden. Restriktive DRM (Digital Rights Management)-Lösungen verhindern beispielsweise das Weiterreichen einzelner Videoclips, was die virale Verbreitung unterbindet. Auch existieren derzeit nur vereinzelt werbefinanzierte Angebote, die die Problematik der teils prohibitiven Preisgestaltung umgehen. Zudem sollten Rechteinhaber und Diensteanbieter die Such- und Selektionsmöglichkeiten ihrer Angebote intuitiver gestalten und z.B. nutzergenerierte Tags zur Klassifikation ihrer Inhalte nutzen. Nichtsdestotrotz kann mit einem Blick nach Asien davon ausgegangen werden, dass auch in Europa bis zum Jahr 2010 eine innovative Nutzerschicht für Mobile TV entsteht. Experton Group schätzt, dass dieser Anteil bei rund 20% der Mobilfunknutzer liegen wird und sich bis 2015 auf über die Hälfte der Mobilfunknutzer erhöht.
8. Mobile Gaming
Die Zielgruppe der mobilen „Gamer“ bildet einen wesentlichen Innovationstreiber, da sich hier intensive Nutzung von Endgerät und Service, Zahlungsbereitschaft und Emotionalität verbinden. Auch bieten mobile Spiele gegenüber anderen mobilen Anwendungen einen eindeutigen Vorteil – der Nutzen ist evident und wird sofort realisiert. So vergehen die 5 Minuten Wartezeit an der Tramhaltestelle wie im Flug. Die soziale Komponente des Präsentierens und Empfehlens neuer Spiele an Freunde, Mitschüler oder Arbeitskollegen ist der Ausgangspunkt viraler Vermarktung, die vielen Spielen innerhalb kürzester Zeit eine hohe Verbreitung bringt. Zukünftig werden browserbasierte Multiplayerspiele auf dem Mobiltelefon einen festen Platz einnehmen, da so bestehende Spiel-Communities auch auf dem Mobiltelefon gegen- und miteinander spielen können. Mit steigender Grafik- und Display-Quälität werden sich zukünftig auch virtuelle Welten á la Second Life, Sims oder World of Warcraft auf den mobilen Kontext ausdehnen. Zudem verwachsen Social Networks zunehmend mit den Spieleplattformen, um Synergien in der Nutzeransprache, -Verwaltung sowie der Kommerzialisierung der Produkte zu erreichen. Analog zu In-Game-Advertisement im Bereich der Konsolen- und Internetbrowsergames wird auch bei mobilen Spielen ein signifikanter Umsatzanteil über Werbung generiert, die kontextbezogen in die Spiele integriert ist.
9. Mobile Messaging / Multi Messaging
Hinter den Begriffen des Mobile Messaging oder Multi Messaging verbergen sich Mobile Dienste, die eine Weiterentwicklung der klassischen SMS darstellen („SMS 2.0“). Diese Dienste leben im Wesentlichen davon, dass je nach Nutzerwunsch Nachrichten an individualisierbare Adressatenkreise gesendet werden können. So lassen sich Gruppen- und Filterfunktionen, analog zur eMail, auch auf dem Mobiltelefon nutzen, was die einfache Trennung von privater und geschäftlicher Kommunikation ermöglicht. Hinzu kommen meist die multimediale Gestaltung von Nachrichten über konfigurierbare Layouts, die Integration von Bildern und Video oder handyspezifischen Symbolsprachen. Somit lassen sich mobile Nachrichten, wie Partyeinladungen, individuell gestalten und an größere Freundeskreise einfach versenden.
10. Mobile Security
Die Wahrung einer sicheren mobilen Kommunikation, der Schutz von Endgeräten vor Viren sowie auch der Schutz von persönlichen Daten vor Identitätsdiebstahl, Spam und unerlaubtem Datenzugriff stellen die wesentlichen Herausforderungen für die Anbieter mobiler Services dar. Durch die Vielzahl an Endgeräten und Accesspoints erhöht sich, speziell im Anwendungsfall von Unternehmen, das Sicherheitsrisiko beträchtlich. Aber auch die privaten Nutzer sind zukünftig vielfältigen Sicherheitsrisiken ausgesetzt. So kann beispielsweise der unbefugte Zugriff auf Geotrackingdaten, Kaufprofile oder Identitäten einzelner oder mehrerer Nutzer schwere Konsequenzen haben. Aufgrund der derzeit noch geringen Verbreitung der neuen mobilen Applikationen ist die Anzahl solcher Sicherheitsvorfälle noch begrenzt. Dies wird sich in den kommenden Jahren allerdings schlagartig ändern.
Bild und Biographie von Carlo Velten finden Sie unter folgendem Link:
www.experton-group.de/company/team/person/article/velten-carlo.html
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