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Die Hightech-Branche blickte nach Las Vegas - Consumer Electronics Show (CES)

Friedhelm Barczik

Friedhelm BarczikDie Hersteller von Digitaltechnik, Unterhaltungselektronik und Internet-Anwendungen starteten mit neuen technologischen Entwicklungen im Unterhaltungssektor ins neue Jahr. Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas zeigten vom 10. bis zum 13. Januar mehr als 2.700 Aussteller rund 20.000 neue Produkte. Wie im Vorjahr wurden mehr als 140.000 Besucher erwartet. Der Umsatz mit Unterhaltungselektronik soll laut Consumer Electronics Association in diesem Jahr weltweit um fünf Prozent steigen. Für den nötigen Schwung sollen neue Smartphones, Tablet-Computer, Ultrabooks und TV-Innovationen sorgen.

Microsoft-CEO Steve Ballmer eröffnete die Consumer Electronics Show in seiner Keynote mit einer Überraschung. Nach seiner Aussage wird sich Microsoft von der CES verabschieden und 2013 nicht mehr mit einem Stand vertreten sein. Elf Jahre in Folge hatte Microsoft-Gründer Bill Gates die Eröffnungsrede für das Großereignis der Unterhaltungselektronikbranche gehalten; seit 2009 übernahm Microsoft-Chef Steve Ballmer diese Aufgabe.

Es sei schwierig, Produktneuheiten auf den Zeitplan der Leistungsschau Anfang Januar abzustimmen, heißt es dazu kurz und knapp bei Microsoft. Nach Apple und Hewlett-Packard wird sich somit der dritte Gigant der Branche von der Consumer Electronics Show verabschieden.

Microsoft-Beobachter zeigen sich allerdings äußerst verwundert und überrascht über diesen Rückzug. Auf keiner anderen Veranstaltung würden so viele neue Produkte vorgestellt wie auf der Consumer Electronics Show: Smartphones, Tablets, Autos mit Internetanschluss sowie TV-Innovationen. Künftige Strategie von Microsoft sei es doch, zunehmend in die Wohnzimmer der Verbraucher vorzustoßen. Mit seinem Steuerungsgerät Kinect für die Videospielkonsole Xbox 360, mit denen sich Spiele per Gesten bedienen lassen, hat Microsoft zuletzt sogar einen großen Trend mit angeschoben.

Zur neuen Version des Betriebssystem Windows 8 bestätigte Microsoft nochmals die bereits bekannten Planungen. So soll die Beta-Version von Windows 8 Ende Februar zum Download bereitstehen. Diese beinhaltet dann auch bereits den im Dezember in seinen Grundzügen vorgestellten App-Store. Aktuell ist es an den Software-Entwicklern, hier erste kostenfreie Programme zu entwickeln, die mit der Veröffentlichung der Beta-Version von Windows 8 erstmals veröffentlicht werden.

Steve Ballmer betonte in seiner Keynote nochmals, dass für den Erfolg von Windows 8 und anderer Microsoft-Produkte eine durchgehende und überzeugende Benutzeroberfläche entscheidend ist. Hier setzt der Softwarekonzern ganz auf „Metro“, das neben Windows auch bei Xbox und Windows Phone zum Einsatz kommen soll. Die von der Microsoft-Spielekonsole bekannte Gestensteuerung Kinect soll ab dem 1. Februar dann auch für Windows verfügbar sein - eine neue Info gab es dann also doch noch.

Windows ist und bleibt das führende Betriebssystem im Desktop-PC-Bereich - doch mit der kommenden Version Windows 8 will Microsoft noch mehr. Das Betriebssystem soll auch den Tablet-Markt erobern, der aktuell quasi fast ausschließlich vom iPad dominiert wird. Windows 8 ist jetzt auf der Consumer Electronics Show vorab auf verschiedenen Tablets zu sehen. Nvidia zeigt dabei zusammen mit Microsoft ein Windows-8-Tablet, das die ARM-Plattform Tegra 3 als Basis nutzt. Das Betriebssystem, bei dem eine erste Beta-Verison für Ende Februar erwartet wird, war in vielen Teilen lauffähig

Während Microsoft mit Windows also in den ARM-Markt vorstößt, drängt es Intel in den Smartphone-Markt. Dieses Ansinnen ist nicht neu. Bereits in der Vergangenheit hatte Intel hier Anläufe genommen - in der Praxis tat sich da aber schlussendlich nichts. Das soll jetzt anders werden, der Chiphersteller zeigte zusammen mit Lenovo das auf einem Atom-Prozessor basierende Smartphone K800 mit 4,5 Zoll-Display. In seiner Keynote stellte Intel-Chef Paul Otellini nicht nur die Zusammenarbeit mit Lenovo mit dem K800-Smartphone auf Basis hauseigener x86-Technik vor, auch wurden Ivy-Bridge-Ultrabooks unter anderem beim Spielen von „Call of Duty: Modern Warfare 3“ vorgeführt und eine mehrjährige, geräteübergreifende Allianz mit Motorola Mobility angekündigt.

Lenovo bringt das K800 zuerst in China auf den Markt und kooperiert dort mit dem Mobilfunker China Unicom. Neben HSPA+-Datenübertragungen mit bis zu 21 MBit/s sind WLAN b/g/n und Bluetooth 3.0 verbaut. Das Smartphone soll sich den Angaben von Lenovo und Intel zufolge durch lange Akkulaufzeiten auszeichnen, die Rede ist von acht Stunden Gesprächszeit sowie bis zu vierzehn Tage im Stand-by-Betrieb.

Als Betriebssystem stellt Intel allen Herstellern eine eigens auf seine Chips abgestimmte Version der Google-Software Android zur Verfügung. Aussehen und Eigenschaften der Benutzeroberfläche der einzelnen Geräte könnten damit schneller angepasst werden. Eine Anpassung der Apps an die neuen Chips sei nicht notwendig.

Smartphones und Tablets sind derzeit die großen Themen der IT-Branche, über Desktops und Notebooks wird dagegen deutlich seltener gesprochen, deren Stückzahlen auch erkennbar zurückgehen. Daher hat Intel bereits im Mai 2011 das Ultrabook-Konzept vorgestellt, um diesem Trend gegenzusteuern. Dabei handelt es sich um flache, leichte Notebooks mit schicker Optik. Von Acer, Asus, Lenovo und Toshiba sind bereits Geräte auf dem deutschen Markt.

Auf der Consumer Electronics Show wurden nun weitere Ultrabooks präsentiert. Einige davon haben einen in der Position veränderbaren Touchscreen, mit dem sie als Tablet genutzt werden können. Aber auch bei den Tablets hat sich einiges getan. 2011 wurden Android-Tablets dank Dual-Core-CPUs und Honeycomb zur ernstzunehmenden iPad-Alternative. In diesem Jahr steht der Wechsel auf Quad-Core-Prozessoren, Android 4.0 (Ice Cream Sandwich) und HD-Display an.

Im hart umkämpften TV-Markt, der in 2012 nach einer Erhebung des Marktforschungsinstitut Display Search wohl nur um zwei Prozent wachsen wird, will auch Google mitmischen. LG Electronics zeigte diverse Geräte mit der Software „Google TV“, mit der Informationen und Videos aus dem Web nahtlos intergiert werden sollen. Im Mittelpunkt stand das 3D-OLED-TV mit einer Bildschirm-Diagonale von 1,40 Meter. Das Display ist nur vier Millimeter dünn und wiegt nur etwas über sieben Kilogramm. Laut LG Electronics soll das System möglicherweise schon im vierten Quartal auf den Markt kommen.

Hoffnung setzen die Hersteller in die OLED-Technik (Organic Light-Emitting Diode), die organische Leuchtdioden nutzen. Diese ermöglichen ein sehr kontrastreiches Bild und weite Blickwinkel und gelten als äußerst energieeffizient. Samsung zeigte ein Gerät mit einer „wohnzimmertauglichen“ Größe von 55 Zoll. Über den Preis schweigt man sich noch aus, allerdings sind die Panels deutlich teurer als herkömmliche LCD/LED- (Liquid Crystal Display/Light Emitting Diode) Geräte.

Alle neuen TVs sind "smart", das heißt, sie sind netzwerktauglich. Doch noch ist unklar, wie der Content via Internet eingespeist werden soll. Momentan dominiert noch die Internetnutzung über die Spielekonsolen, doch die Zahl derer, die dafür Hybrid-TV-Geräte nutzen, steige, so eine Goldmedia-Studie. Allerdings sei der Markt für Smart TV noch in einer frühen Entwicklungsphase; eine Standardisierung beginne erst langsam. Zudem wollen sowohl Gerätehersteller als auch Kabel- und Satellitennetzbetreiber sowie IPTV-Anbieter den Smart-TV-Markt für sich erschließen.

Laut der Goldmedia-Studie haben dabei Inhalte- und Diensteanbieter wie YouTube, Lovefilm, Maxdome oder Videoload die größten Chancen, da sie mit dem Fernseher ein weiteres Ausgabemedium dazu bekommen. Fernsehveranstalter könnten von der Möglichkeit der Verwertung der eigenen Inhalte auf Abruf ebenfalls profitieren.

Auch Big Player wie Google und Apple, die mit neuartigen Geräten und ihren App-Stores Android Market bzw. iTunes auf die TV-Bildschirme zielen, wollen den Smart-TV-Markt erobern.

Sprach- und Gestensteuerung soll neuen TVs ihre Komplexität nehmen. "Hi Fernseher, Kanal hoch" - mit diesem Kommando schaltet man um, ohne die Fernbedienung in der Hand halten zu müssen. Auch für eine Internetsuche auf dem großen Bildschirm braucht man keine solche: Der User spricht die Begriffe vor und den Mauszeiger bewegt er mit einer Geste. Geht es nach Samsung, sieht so die Zukunft des Fernsehens aus. Die Fernseher können immer mehr, werden aber auch immer komplizierter.

Die Branche weiß um das Problem - und will Abhilfe schaffen. "Ich glaube, dass 2012 das Jahr der Benutzeroberfläche wird", sagt Shawn Dubravac, Forschungsdirektor der Consumer Electronics Association (CEA). Die Steuerung der Geräte wird aufgeräumter und eleganter, lautet die Prognose des Experten. Die Technologie trete künftig immer mehr in den Hintergrund und erlaube eine "natürliche Interaktion". Etwa mit intuitiven Fernbedienungen - bisher eine Rarität - sowie mit Stimme und Gesten.

Mit der Consumer Electronics Show kommen erste Smartphones und Tablet-PCs auf den Markt, die den LTE-Standard unterstützen. Nokia werde in den USA und Kanada sein Lumia 900 nicht nur mit UMTS, sondern auch mit der neuen Technologie ausrüsten. Samsung bringt sein Smartphone „Galaxy Note“ das einen 5,3-Zoll-Bildschirm hat, ebenfalls mit dem LTE-Modul auf den US-Markt.

Ein weiterer Schwerpunkt auf der Consumer Electronics Show war der Einsatz modernster Digitaltechnik im Auto (Entertainment-Gadget). Mit neuen Diensten aus der Internetwolke wollen Autohersteller das Fahren sicherer, bequemer und unterhaltsamer machen. „Wir arbeiten an einer Generation von Fahrzeugen, die als digitale Begleiter dienen“, sagte Daimler Vorstandschef Dieter Zetsche in seiner Keynote. Die Zunahme im Individualverkehr führe zu Problemen wie Staus und CO2-Emissionen, die mitdenkende Lösungen bewältigen können.

Punkten will die Autoindustrie vor allem mit der Sicherheit im Straßenverkehr. Ford zeigte eine Testversion seiner Smartphone-App. Diese überwacht bei Elektroautos den Ladezustand und zeigt, wo die nächste Strom-Tankstelle ist. Außerdem unterstützt sie energieeffizientes Fahren.

Auch Daimler stellte eine neue App vor: Sie bietet neben der Navigation die Unterstützung von Sicherheit und Fahrzeugtechnik. Fahrer könnten sich gegenseitig vor Risiken warnen, Hinweise an einen Server schicken, der diese an nachfolgende Autos übermittelt. Diese Technik werde derzeit in einem Pilotprojekt in Deutschland getestet.

Fazit: Die Consumer Electronics Show gilt bei vielen Branchenkennern als eine der wichtigsten Messen, um die Indikatoren für die technologischen Entwicklungen im Computer- und Unterhaltungselektronik-Bereich zu erfahren und wird stets mit Spannung erwartet. Mittlerweile deckt die Consumer Electronics Show ein enorm breites Spektrum an Produkten und Technologien ab. Die diesjährige CES 2012 bot ihren Besuchern wieder zahlreiche Neuankündigungen aber doch wenig wirkliche Überraschungen.

Über Jahre hinweg waren die großen Messen wie die Consumer Electronics Show in Las Vegas, die CeBIT in Hannover und die Computex in Taiwan der Puls der IT-Welt. Doch die Bedeutung der großen Messen schwindet scheinbar, auch wenn die Veranstalter immer wieder gerne von Besucherrekorden sprechen. Die Hersteller haben erkannt, dass sich die Aufmerksamkeit besser neben den Messen fokussieren lässt. Mit Microsoft verlässt ein weiterer Key Player die Bühne, und es bleibt abzuwarten, ob andere große Hersteller diesem Beispiel folgen werden. Große Messestände gehören der Vergangenheit an, oftmals bieten die Hersteller nur noch Gespräche in den Business-Bereichen an, zu denen nur die Fachpresse Zutritt hat. Doch die schwindende Bedeutung lässt sich besonders an einem Punkt festmachen: den fehlenden großen Highlights.

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