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Intelligente Netze sollen den Standort Deutschland stärken

Friedhelm Barczik

Friedhelm BarczikAuf dem 6. Nationalen IT-Gipfel in München stand der Standort Deutschland hinsichtlich der Informationstechnik auf dem Prüfstand. Die Branche will mehr Tempo bei der Umsetzung zentraler Infrastruktur-Projekte entwickeln.

Im Mittelpunkt des Gipfels standen der Aufbau intelligenter Netze, Strategien zur Fachkräftesicherung sowie das Thema Sicherheit und Vertrauen in der digitalen Welt. „Die digitale Welt lässt sich ohne das Vertrauen der Nutzer nicht entwickeln“, sagte BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf in seiner Erklärung. „Dieses Vertrauen wird uns nicht geschenkt, wir müssen und werden es uns verdienen“.

Das deutsche Abschneiden beim „Monitoring-Report Deutschland Digital 2011“, einer Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, ist eher mittelmäßig. Darin erreicht Deutschland im Vergleich der 15 Top-Nationen gemeinsam mit Schweden Platz sechs, aber verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr um einen Rang.

Ein gutes Ergebnis hat Deutschland laut der Studie hinsichtlich der drei Themen Internet-Werbung (Rang 3), Verbreitung des Mobilfunks (Position 4) und Marktbedeutung (Rang 4) erzielt. Eher schlecht schneidet Deutschland beim E-Government ab (Rang 10), also bei der Nutzbarkeit von Diensten der öffentlichen Verwaltung über das Internet, aber auch hinsichtlich der Nutzung sozialer Netzwerke (Position 13). In den insgesamt 23 untersuchten Kriterien beträgt der Abstand zum Spitzenreiter Südkorea in Summe 14 Indexpunkte.

Entsprechend versucht die Hightech-Branche – nicht ganz uneigennützig - die Bundesregierung zu einer rascheren Umsetzung zentraler Infrastrukturprojekte zu bewegen. Dazu gehört vor allem das „Smart Grid“ - das intelligente Stromnetz - zur besseren Abstimmung von Energie-Erzeugung und -Nachfrage. Des Weiteren sind hierbei die “White Spots” im Breitbandnetz, das neue Internetprotokoll IPv6, die Internet-Sicherheit, Verschlankung der Bürokratie und – last but not least - der Datenschutz zu nennen

Intelligente Stromnetze ("Smart Grids")

Der Begriff "intelligentes Stromnetz" (engl. "smart grid") umfasst die kommunikative Vernetzung der vielen Akteure des Energiesystems von der Erzeugung über den Transport, die Speicherung und die Verteilung bis hin zum Verbrauch. Grundgedanke ist, jedes Gerät, das an das Stromnetz angeschlossen ist, im Sinne von "Plug & Play" in das System aufzunehmen. So entsteht ein integriertes Daten- und Energienetz mit völlig neuen Strukturen und Funktionalitäten. An die Stelle der bekannten Stromzähler können schon bald digitale intelligente Messgeräte ("Smart Meter") treten. Als wertvolle Helfer im "Smart Grid" messen sie nicht mehr nur den Stromverbrauch oder die eingespeiste Strommenge, um Abrechnungen erstellen zu können, sondern protokollieren auch Spannungsausfälle und versorgen intelligente Netzknoten mit wichtigen Informationen wie Strom, Spannung und Frequenz, damit diese zeitgenau Erzeugung, Netzbelastung und Verbrauch weitgehend automatisiert aufeinander abstimmen können. Selbst die intelligente Steuerung von Verbrauchs- und Speicheranlagen im Haushaltsbereich wird durch Smart Meter möglich. Dem Verbraucher können sie sein eigenes Verbrauchsverhalten veranschaulichen und helfen, Stromkosten zu sparen. Ab 2011 werden Smart Meter auch die Tür zu variablen, "maßgeschneiderten" Tarifen öffnen. Dies alles kann zukünftig dazu beitragen, den Bedarf an teurem Strom in Spitzenlastzeiten zu verringern, die Netze zu entlasten bzw. besser auszulasten und die Versorgungssicherheit zu erhalten. (Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie)

Der Auf- und Ausbau intelligenter Netze sei eine riesige Herausforderung. In den kommenden Jahren müssten nach Aussage des BITKOM dafür Investitionen von etwa 130 Milliarden Euro aktiviert werden (über alle Bereiche, nicht nur Smart Grids). Die Komplexität dieser Aufgabe erfordere eine Zusammenarbeit auf allen Ebenen und zwischen allen wichtigen Akteuren.

Neben dem Datenschutz in sozialen Netzwerken war auch die Fachkräftesicherung in diesem Jahr wieder zentrales Thema des IT-Gipfels, welche als eine strukturelle Herausforderung für den Wachstumspfad der deutschen Volkswirtschaft gilt. Bis zum Jahr 2020 steigt der zusätzliche Bedarf an Fachkräften um 1,8 Millionen (laut einer Studie des Instituts zur Zukunft der Arbeit). Die Gründe für den Mehrbedarf an Fachkräften sind im Strukturwandel und den steigenden Qualifikationsanforderungen, aufgrund des technischen Fortschritts, begründet.

Nach Einschätzung des BITKOM beschäftigte die deutsche ITK-Branche 2010 ca. 840.000 Menschen. So ergibt sich seit 2007 trotz zwischenzeitlicher Wirtschaftskrise ein Zuwachs von 12.000 Stellen. Am dynamischsten entwickeln sich laut Analyse des BITKOM die Bereiche Software und IT-Services - hier wurden im gleichen Zeitraum ca. 56.000 zusätzliche Stellen geschaffen. Sie gleichen die rückläufige Entwicklung in anderen Segmenten mehr als aus - insbesondere im Bereich der  Hardware-Fertigung ist in Deutschland ein starker Rückgang zu verzeichnen.

Zudem ist laut BITKOM der Anteil von Frauen an den IT-Auszubildenden (ca. 10 Prozent) und an den Studierenden (Informatik: ca. 18 Prozent, Elektrotechnik ca. 12 Prozent) viel zu gering. In diesem Zusammenhang hat sich die ITK-Branche laut BITKOM ehrgeizige Ziele für eine Erhöhung des Frauenanteils in Fach- und Führungspositionen gesetzt. Beträgt der Anteil von Frauen im Top-Management derzeit lediglich knapp drei Prozent, soll er bis 2020 auf knapp 17 Prozent steigen. Im mittleren Management fällt der Anstieg von derzeit 4,4 Prozent auf geplante 15 Prozent etwas moderater aus.

Fazit: Der internationale Vergleich lässt in den oben beschriebenen Bereichen noch Luft nach oben. Die angestoßenen Vorhaben zeigen aber im Vergleich zum Vorjahr erste positive Auswirkungen. Ein breiter Schulterschluss von Politik und Wirtschaft ist jedoch notwendig, um ein schnelles Tempo bei der Umsetzung zentraler Infrastrukturprojekte anzuschlagen.

Ein Blick auf die nationalen IT-Vorhaben der öffentlichen Hand in den letzten Jahren zeigt aber, dass dieser Schulterschluss zwischen Politik und Wirtschaft noch zu verbessern ist. Als Beispiele seien hier die Projekte LKW-Maut, die elektronische Gesundheitskarte sowie der elektronische Entgeltnachweis (Elena) genannt.

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