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Microsoft startet mit Hochdruck in das Jahr 2012

Axel Oppermann

 Axel OppermannBeim diesjährigen CeBIT-Auftritt will Microsoft mit dem „Microsoft Heartbeat – The Power of Design“ seinen ganz- und einheitlichen Plattform-Ansatz unterstreichen und diesen „emotional erlebbar“ gestalten. Dabei ist Herzschlag ein gutes Motto. Nämlich der Puls, wie Microsoft aktuell neue Produkte sowie Versionen präsentiert kann als „schnell, hoch und hart“ beschrieben werden. Mediziner sprechen bei diesen Symptomenvon „Aorteninsuffizienz“. Was bei dem einen – Microsoft – ein hoher Puls ist, der sich monetär gut auszahlt, wie die am 19.1. veröffentlichten Geschäftszahlen des zweiten Quartals des laufenden Geschäftsjahres zeigen, ist für den anderen – die IT-Verantwortlichen – Grund für Bluthochdruck. Gilt es doch, jetzt die Weichen für die IT-Infrastruktur der kommenden Jahre richtig zu stellen. Und wenn sich ein Anwender dann an einen strategischen Lieferanten, wie Microsoft, über Verträge langfristig an diesen gebunden und zu den Produkten keine Alternative hat, und diese sich häufig neu erfinden, steigt der Druck auf die IT- Entscheider. 

Um IT-Leitern, CIOs, Einkäufern – aber auch Entscheidern im IT-Channel - bei der Informationsbeschaffung einen Überblick über die neuesten Entwicklungen im Microsoft-Kosmos zu geben, betrachtet die Experton Group in regelmäßigen Abständen die Entwicklungen im Hause Microsoft. In diesem Newsletter beschäftigen wir uns besonders mit den Themen & Produkten:

  • System Center 2012
  • Kinect für Windows
  • Apps und Lösungen (=Software) für nicht Microsoft-Plattformen
  • Kennzahlen zum zweiten Quartal des Fiskaljahres 2012 

System Center 2012

Der Wunsch, Cloud-Infrastrukturen bei Anwenderunternehmen durchzusetzen, und die Notwendigkeit eine Vielzahl unterschiedlicher Gerätetypen und Formfaktoren im Unternehmenseinsatz managen zu können, erfordert integrierte Tools.  Auch deshalb ist das System Center (2012) ein entscheidender und zentraler Baustein für die Cloud-Strategie von Microsoft. So wird das System Center 2012 als Grundlage für eine produktive Infrastruktur positioniert, welche als einheitliche und zentrale Verwaltung von Applikationen und das Einbinden sowie Überwachung (Monitoring) von Geräten, abbildet. Durch die Ablösung von Einzelprodukten soll nicht nur die Akzeptanz gesteigert werden, sondern vielmehr das System Center als eine zentrale Managementkonsole (insbesondere Cloud Manager) tief in den Infrastrukturen verankert werden. 

Die Co-Existenz von klassischen on-Premise-Lösungen und Cloud-Angeboten von Microsoft kann als Treiber für die Adaption durch die Anwenderunternehmen betrachtet werden. Treiber für die Cloud-Adaption sind das Active Directory (AD / Verzeichnisdienst) und das System Center. Für Private Cloud kommt zusätzlich Windows Server (inkl. HyperV) hinzu. 

Genau für diese zentralen Anforderungen der Anwender - nämlich die Verwaltung von Rechenzentrums-Ressourcen, privaten Clouds und Client-Endgeräten ist das System Center 2012 ausgelegt. Ferner können entsprechende weitere Cloud-Bereitstellungsformen (Public, Community, etc.) verwaltet werden. Ziel ist unter anderem eine komponentenübergreifende Interoperabilität. Im System Center 2012 sind folgende Komponenten enthalten:

  • Configuration Manager
  • Service Manager
  • Virtual Machine Manager
  • Operations Manager
  • Data Protection Manager
  • Orchestrator
  • App Controller
  • Endpoint Protection

Dabei wird das Produkt in zwei Varianten – Standard und Datacenter –Edition – angeboten. Sowohl die Standard als auch die Datacenter Edition von System Center 2012 wird sämtliche Komponenten umfassen. Die Standard und die Datacenter Edition der System Center 2012 Server Management Lizenzen unterscheiden sich i.d.R. nur durch die Anzahl der zu verwaltenden so genannten „Operating System Environments“ (OSEs, Betriebssystemumgebungen).

Bei der Standard Edition können Anwender zwei OSEs „vor Ort“ oder zwei OSEs in einer Public Cloud Umgebung verwalten. Diese Produktvariante ist besonders für nur schwach oder gar nicht virtualisierte Private Cloud Workloads geeignet. Die DataCenter Edition bietet hingegen eine unbegrenzte Anzahl von OSEs „vor Ort“ oder acht OSEs in einer Public Cloud Umgebung und maximierte Cloud-Kapazität durch unbegrenzte Anzahl an Operating System Environments (OSEs) für private Clouds mit einer hohen Dichte.

Kurzüberblick Lizenzierung

Wie bei allen Produkten von Microsoft ist die richtige Form der Lizenzierung entscheidend für einen wertvollen Einsatz. Deshalb hier ein kurzer Überblick über einige Facetten. Als vereinfachte – und stark reduzierte Faustformel – kann die Aussage gelten:

Die Standard und die Datacenter Edition der System Center 2012 Server Management Lizenzen unterscheiden sich regelmäßig nur durch die Anzahl der zu verwaltenden so genannten „Operating System Environments“ (OSEs, Betriebssystemumgebungen

Server Management Lizenzierung

  • Es wird nur eine Lizenz für die zu verwaltenden Endpunkte benötigt. Für Management Server oder SQL Servertechnologie sind keine zusätzlichen Lizenzen erforderlich.
  • Einheitliches Lizenzmodell für die verschiedenen Editionen. Prozessor-basierte Lizenz, deckt bis zu zwei Prozessoren ab. 
  • Einheitliche Möglichkeiten für die verschiedenen Editionen, der Unterschied besteht in den Virtualisierungsrechten. Alle Server Management Lizenzen umfassen dieselben Komponenten und ermöglichen das Verwalten von beliebigen Private Cloud Workloads.

Client Management Lizenzierung

Es gibt drei verschiedene Angebote:

  • System Center 2012 Configuration Manager: Der System Center 2012 Configuration Manager ist erhältlich pro Nutzer oder pro OSE, aber auch im Rahmen der Core CAL und der Enterprise CAL Suite.
  • System Center 2012 Endpoint Protection: System Center 2012 Endpoint Protection (die Nachfolgeversion von Forefront Endpoint Protection 2010) kann pro Nutzer oder pro Endgerät beschafft (=abonniert) werden oder ist im Rahmen der Core CAL und der Enterprise CAL Suite erhältlich. Die Subskription beinhaltet sämtliche Antimalware Updates und Produkt-Upgrades, die während der Laufzeit des Subskriptionsvertrags herauskommen.
  • System Center Client Management Suite: Die System Center 2012 Client Management Suite ist pro Nutzer oder pro OSE oder aber im Rahmen der Enterprise CAL Suite erhältlich. Sie umfasst die Komponenten Data Protection Manager, Operations Manager, Service Manager und Orchestrator. 

Empfehlungen: 

  • Anwender sollten in Form einer Compliance-Matrix die Anforderungen, Management-Lösungen und Services definieren. Make or Buy-Entscheidungen sind hier genauso zu berücksichtigen, wie die Funktionen und Kosten der Lösungen. 
     Hierzu gilt es auch die Anforderungen hinsichtlich Management von Clients (klassisch, Smartphones, Pads, etc.) aktuell und zukünftig zu beleuchten. 
  • Anwender, die bereits System Center Versionen einsetzen: Es gilt die umfassenden Lizenzbestimmungen zu analysieren und Auswirkungen auf die bestehende Ist-Situation zu ermitteln. 
  • Grundsätzlich wird empfohlen, die Lizenzbestimmungen und die verbundenen Kosten kritisch zu prüfen. Hierzu gilt es auch unterschiedliche Szenarien durchzuspielen.

Einschätzung:

  • Für Unternehmen, die sich stark in Richtung Cloud-Computing orientieren und bereits eine große Affinität zu Microsoft-Lösungen (insbesondere Windows Server und Virtualisierung mit HyperV) verspüren, ist das System Center ein starkes Werkzeug, welches die individuellen Cloud-Szenarien optimiert abbilden kann.
  • Für Unternehmen, die eine Vielzahl unterschiedlicher Client-Formfaktoren unterschiedlicher Plattformen und Hersteller managen müssen, kann System Center ein probater „Werkzeugkoffer“ sein. 
  • Für IT-Servicedienstleister kann System Center 2012 eine relevante technische Grundlage für Servicekonzepte werden. 

Kinect für Windows

Kinect für Windows wird ein „Gassenhauer“ im Bereich moderner und zukunftsfähiger Bedienkonzepte für Mensch-Maschine basierte Systeme werden. Die Auswirkungen werden sowohl im Bereich der Büroarbeit, in Embedded-Systemen in Produktion oder in der Interaktion mit Automaten/Maschinen werden. Systeme wie Kincet für Windows haben das Potential, die Arbeitsweise und die Interaktion mit Automaten zu revolutionieren. 

Bei Kinect für Windows handelt es sich – verknappt ausgedrückt – um die, aus der XBOX 360, bekannten Bewegungssensor-Technologie auf Windows-Systemen. Somit kann die Steuerung an Windows Systemen zukünftig verstärkt über Gesten erfolgen. Ferner kann eine Integration in Präsentationslösungen (Steuerung und aktive Gestaltung von Inhalten), UC-Lösungen (Video-Konferenzen, etc.) erfolgen. 

Die Anzahl an Möglichkeiten ist nahezu unbegrenzt. Von der Steuerung des Büro-PCs (als Ersatz für die Maus), zur schnellen Sortierung von Dokumenten oder Daten, Werkzeug für CAD-Anwender, Steuerungseinheit in schwierigen Umfeldern (Industrie, Produktion, Medizin) bis hin zur Interaktion mit Kunden oder in Automaten.

Microsoft hat angekündigt, dass am 1. Februar 2012 die Kinect für Windows Hardware und die dazugehörige Software in 12 Ländern auf den Markt kommen wird. Zu diesen Ländern zählt auch Deutschland. Der Einzelhandelspreis wird nach Angaben von Microsoft wohl bei 249 US-Dollar liegen. Die Kinect für Windows Hardware wird zunächst in limitierten Stückzahlen über verschiedene Reseller und Distributoren vertrieben werden. Der Preis beinhaltet eine Ein-Jahres-Garantie, Zugriff auf laufende Software-Updates für das Speech und Human Tracking (Sprach- und Personenerkennung) sowie die kontinuierlichen Softwareneuentwicklungen für Kinect für Windows. Das Software Development Kit (SDK) und die Laufzeit für das Gerät werden kostenlos zur Verfügung gestellt; es fallen dafür keine Lizenzgebühren an.

Im Laufe des Jahres wird zudem ein spezielles Angebot für so genannte Qualified Educational Users, also Anwender im Bildungswesen, erwartet. Bei Amazon (USA) wird die Hardware gegenwärtig für 249.99 US-$ angeboten. Es ist davon auszugehen, dass die Kosten der Hardware sehr schnell sehr stark fallen werden. Insbesondere dann, wenn auf der Nachfrageseite entsprechende Allokationen stattfinden. 

Verglichen mit den Kosten von ca. 100 Euro/US-Dollar für die vergleichbare Hardware für die XBOX scheint der Preis hoch. Allerdings muss bedacht werden, dass Kinect für die Xbox 360 von der Spiele-Umgebungen, auf denen die Plattform läuft, subventioniert wird – also Spielen, Xbox Live etc.  Ferner wurde Kinect für die Xbox 360 speziell für die XBOX-Plattform entwickelt. Es gibt weder Lizenzen für die allgemeine kommerzielle Nutzung noch Supportangebote oder Garantien für die Nutzung auf anderen Plattformen.

Der Kinect für Windows Sensor sieht (auf Bildern) fast genauso aus wie Kinect für die Xbox, verfügt aber über einen Nahbereichs-Modus und soll auf Windows 7 und 8 PCs laufen. Die neue Kinect Bewegungssteuerung wartet mit Firmware-Neuerungen auf, außerdem ist das USB-Kabel kürzer, und ein kleiner “Dongle” soll die Koexistenz mit anderen USB-Peripheriegeräten verbessern. Die Kinect Tiefenkamera kommt in der Windows Version mit einer anderen Tiefe daher, so dass auch Objekte erfasst werden, die „nur 50 Zentimeter vom Gerät entfernt sind“, ohne dadurch an Schärfe und Präzision einzubüßen. Somit wurde die Hardware umfassend für die zugedachten Einsatzszenarien optimiert. 

Empfehlungen:

  • Entscheidern in Anwenderunternehmen (ab 250 Mitarbeitern) und IT-Verantwortlichen wird empfohlen, sich mit modernen Steuerungs-Komponenten frühzeitig zu beschäftigen. Durch den Einsatz kann sowohl die Qualität von Eingaben, die Prozesseffizienz in bestimmten Anwendungsfeldern und die Gesundheit der Mitarbeiter verbessert werden. 
  • Unternehmen mit Entwicklerkompetenzen sollten sich intensiv mit dem SDK beschäftigen und frühzeitig Optionen ausloten.
  • Unternehmen aus dem Bereich Maschinenbau sollten frühzeitig überlegen, inwieweit sie solche Systeme in ihre eigenen Produkte integrieren. Hierdurch können Mehrwerte und Alleinstellungsmerkmale erarbeitet werden. 
  • ISV und Developer sollten sich dem Thema schnell annehmen. Die weitreichenden Einsatzszenarien im Business- und Privatanwenderumfeld versprechen hohe Nachfrage. Der Bekanntheitsgrad und die Adaption im Privatumfeld der Kinect für XBOX-Variante (über 18 Millionen Einheiten wurden verkauft) lässt auf kurze Adaptionszyklen schließen. 

Einschätzung:

Das Thema Eingabegeräte und Steuerung von Maschinen steht bei IT-Verantwortlichen auf keiner Prioritätenliste. Oftmals wird dem Anwender ein Eingabegerät (Maus oder Tastatur) im Nutz- und Gegenwert von wenigen Euros bereitgestellt. Die Folge sind oftmals Sehnenscheidenentzündungen, Verkrüppelungen, Ermüdung und nachlassende Qualität in den Prozessen. Aus diesem Grund spricht im ersten Moment nicht viel für den Erfolg von Kinect für Windows.

Bei genauerer Betrachtung jedoch, ergeben sich Chancen, die Arbeitsprozesse von Mitarbeitern (Büro, in der Produktion, etc,) neu zu gestalten und die Interaktion zwischen Menschen und Maschinen zu optimieren. Die eigentliche Umwälzung wird dann kommen, wenn die veralteten Arbeitsprozesse und Bereitstellungsformen von IT überdacht werden. 

Kinect für Windows kann ein Erfolgsfaktor für die Windows-Plattform und Produktivitätslösungen wie Office oder Lync werden. 

Apps und Lösungen (=Software) für nicht Microsoft-Plattformen: Lync, OneNote & Co. auf iPhone, iPad, etc. 

Lange Jahre war Microsoft dank seines Windows-Client-Monopols im PC-Geschäft erfolgreich und unternahm daher eher halbherzige Versuche, Lösungen wie Office auch auf anderen Systemen – exemplarisch für den Mac von Apple – zu etablieren. Doch inzwischen gewinnen andere Gerätetype wie das iPads, die Tablets oder Smartphones zunehmend an Zugkraft. Wenn Microsoft die Anwender – und vor allem die IT-Entscheider und den IT-Channel – weiterhin an seine Produktivitäts- und Bürokommunikationslösungen (Office Suite, Lync, SharePoint, etc.) binden will, muss der Software-Lieferant dieselbe Richtung einschlagen wie die Anwender; und wie es andere Softwarehersteller bereits seit Jahren machen (müssen). 

Microsoft hat das Ziel und den Anspruch, auf allen entscheidenden Präsentationsformaten (Bildschirmen) wie PC, Phone und TV führend mit eigenen Bildschirm-Plattformen (OS) und Produkten vertreten zu sein. Ist doch eine führende oder dominierende Rolle auf diesen Gerätetypen ein entscheidender Erfolgsfaktor für die übergeordnete Cloud-Strategie. 

Für den klassischen Client gelingt dies gegenwärtig noch. Von Windows 7 wurden inzwischen eine halbe Milliarde Kopien ausgeliefert – also Pluspunkt für ein PC-Geschäft, das zwar niedrigere Wachstumsraten verzeichnet als früher, aber nach wie vor hochprofitabel ist. Zwar fährt auch Apple mit seinem Mac-Geschäft Riesengewinne ein, doch Microsoft ist mit um die 90 Prozent Marktanteil im weltweiten PC-Markt nach wie vor der Platzhirsch und immer noch der Standard im Unternehmensumfeld. Auch die Xbox 360, einst als Geldvernichtungsmaschine verschrien, hat sich zu einem Milliardengeschäft gemausert, und dank Kinect winkt diesem Geschäft eine glänzende Zukunft. Ein neues Dashboard im Metro-Stil und ehrgeizige Partnerschaften mit Medienunternehmen könnten zudem dafür sorgen, dass die Xbox in Zukunft nicht nur vom traditionellen Klientele der Spieler genutzt wird, sondern sich als Medien-Center im Wohnzimmer etablieren könnte. Auch anstehende Kooperationen mit TV-Geräteherstellern und Broadcastern stiften Nutzen für das Ziel. Also auch ein Pluspunkt für Microsoft

Allerdings hapert es etwas bei den „kleinen“ Formfaktoren. Denen, die in die Hosentasche passen oder den modernen Gadgets? Im Tablet-Segment hat sich der iPad von Apple das allergrößte Stück vom Kuchen gesichert, und  einige Android-basierte Tablets sowie wenige Windows-Tablet-PCs streiten sich um die Krumen im Markt. Hier hat Microsoft mindestens bis zur nächsten Windows Generation nichts zu bieten. Es ist mehr als höchste Zeit, Unklarheiten dahingehend zu beseitigen, wie und wann Microsoft und seine Partner Tablets mit der kommenden Windows Generation auf den Markt bringen wollen.

Auch bei den Smartphones mit Windows Phone sieht es noch immer mehr als mau aus. Zwar ist das User Interface sehr aufgeräumt, das Bedienkonzept spannend und die Funktionalitäten für viele Anwendungsbereiche ziemlich o.k. Allerdings verläuft die Marktentwicklung sehr blutarm und Android und Apple – sowie stark rückläufig RIM/Blackberry – sind im Smartphone-Segment heute die marktbeherrschenden Geräte, und so steht dem Windows Phone ein sehr steiniger und mühsamer Weg bevor. Und selbst wenn dieser Weg gemeistert wird, steht Microsoft mit Windows Phone in zwölf oder fünfzehn Monaten im besten Fall weit abgeschlagen auf dem dritten Platz.

Ein Ansatz für Microsoft wäre es jedoch einen Angang über universell einsetzbare Web Apps zu forcieren. Doch der Markt ist – auch in Folge des auf einem App-Vertrieb ausgerichteten Marketings der Industrie – hier noch nicht soweit. So starten Anwender bei der Suche nach Software für ihre iOS Geräte keine Web-Suche, sondern gehen direkt in den App Store. Vergleichbare Verhaltensmuster gibt es für andere Plattformen. Somit werden die Marktplätze der einzelnen Plattformen Schnittstelle und Schlüsselloch für den Kundenkontakt. Somit muss ein Anbieter, der die Relevanz für seine Plattformen (hier Microsoft und die Produktivitätsplattform Office) in diesen Marktplätzen erkennt, mit Applikationen vertreten sein. 

Doch Microsoft zierte sich lange, „wie die Jungfrau beim ersten Mal“, umfassend Applikationen auf anderen Plattformen anzubieten. Mit nur wenigen Ausnahmen – OneNote und Lync für iPhone und iPad, Bing und Hotmail Clients für iOS und Android, einem neuen SkyDrive Client für iPhone – brachte Microsoft für diese anderen Plattformen nur zögerlich Lösungen auf den Markt. So sind die starken OneNote Lösungen für iPhone und iPad im deutschen App Store von Apple erst seit geraumer Zeit verfügbar. 

Doch die Zurückhaltung hat sich gelegt. So bietet Microsoft den Lync Client mittlerweile neben der Lösung für Windows Phone für alle relevanten mobilen Plattformen an. So gibt es Apps für iPhone & iPad, Android, Blackberry und sogar Symbian. Unternehmen, die auf die Technik von Microsoft im Bereich UC bzw. UCC setzen, haben hierdurch die Möglichkeit für nahezu alle Anwender die richtige Applikation bereitzustellen und hier weiteren Mehrwert – respektive Nutzen – zu ziehen. 

Empfehlungen:

  • Unternehmen, die bereits auf Lösungen wie Lync setzen, sollten die Apps für die unterschiedlichen Plattformen zeitnah testen und eine flächendeckende Bereitstellung prüfen. Hierdurch kann ein zusätzlicher Vorteil aus den getätigten Investitionen erfolgen.
     Es gilt jedoch auch hier auf die Lizenzierung zu achten. Liegt eine Lizenzierung auf Basis der Device-CAL (Zugriffsrechte bezogen auf Geräte) vor, sind zusätzliche Lizenzen für die CALs notwendig. Die Umstellung – respektive der Einsatz von User-CALs  (Zugriffsrechte bezogen auf Anwender)– kann hier vorteilhaft sein 
  • Unternehmen, die zunehmend auf Apple/Mac setzen (bzw. hybride Strukturen aufbauen), können weiterhin auf Microsoft Office-Systeme als Produktivitätsplattform setzen. Hier gilt es jedoch Einschränkungen bzw. Unterschiede zu validieren. 
  • Unternehmen, die gerade eine UC-/UCC-Strategie erarbeiten oder überarbeiten, bekommen durch die zusätzlichen Applikationen neue Optionen. 

Einschätzung:

  • Das zunehmende Angebot von Applikationen für unterschiedliche Plattformen wird Microsoft dazu verhelfen, dass viele Anwenderunternehmen Microsoft weiterhin „die Treue“ halten.
  • Es ist zwingend erforderlich, dass das Tempo der Bereitstellung von Applikationen für nicht Microsoft-Systeme zunimmt.
  • Anwenderunternehmen können nur umfassend von Investitionen in Microsoft-Lösungen profitieren, wenn diese über alle etablierten Formfaktoren verfügen und dem Trend (= also aktuell Applikationen) folgen.
  • Eine zentrale Frage für den Markt lautet also: Kann Microsoft in einer Welt, in der die Fragmentierung an Geräten und Plattformen zunimmt, und somit nicht mehr alle relevanten Formfaktoren und der Kontrolle von Microsoft sind, die eigene Position festigen, weiter an Dynamik gewinnen bzw. dem Abwärtstrend entgegentreten? 

Kennzahlen zum zweiten Quartal des Fiskaljahres 2012

Microsoft hat am 19. Januar die Kennzahlen für das zweite Quartal des Fiskaljahres 2012 (entspricht Q4-2011) veröffentlicht. In dem Quartal, welches zum 30. Dezember 2011 endete, konnte der IT-Konzern einen Umsatz von 20,9 Milliarden US-Dollar verbuchen. Dies entspricht einem Anstieg zum Vorjahreszeitraum von ca. 5 Prozent. Der operative Gewinn stieg auf  8 Milliarden US-Dollar.

Die starken Ergebnisse sind insbesondere auf kernige Umsätze in den Bereichen „Server & Tools“ (4,7 Mrd. US$ / + 11%) sowie die „Business Division“ (6,28 Mrd. US$ / +3%) zurückzuführen. Überdurchschnittliches Wachstum kann der Bereich „Entertainment & Devices“ aufweisen. Dieses Geschäftssegment ist dank XBOX und Kinect um über 15 Prozent gewachsen. Wie bereits gewohnt ist die „Windows Division“ ein Sorgenkind. Hier sind rückläufige Umsätze von 6 Prozent zu verzeichnen.  Als Vorwand für den Rückgang könnten hier auch die auf Naturkatastrophen zurückzuführenden Produktionsengpässe in Asien angeführt werden. 

Ein jedoch noch viel beeindruckender Wert stellt jedoch der Posten „Contracted not billed“ dar. Dieser wird mit 19 Milliarden US-Dollar angegeben. Hierbei handelt es sich grob gesagt um abgeschlossene Verträge, für die noch keine Rechnungsstellung erfolgt ist. Im Geschäftsbericht für das Fiskaljahr 2011 wurde dieser Posten noch mit 18,5 Milliarden US-Dollar ausgewiesen. Dieser hohe Wert und Anstieg ist ein Beispiel für den Vertriebserfolg einer Microsoft, ein mittelfristige Sicherheit, ein klares Kennzeichnen für die Abhängigkeit der Anwender gegenüber Microsoft. Die Anwender investieren regelmäßig in Produkte und Services, die sie zum jetzigen Zeitpunkt weder kennen noch einschätzen können. Übertragen auf die Automobilindustrie würde es bedeuten, dass die Autofahrer ihren nächsten Wagen heute bereits bezahlen, ohne zu wissen, welche Eigenschaften oder Design dieser PKW haben wird. Es ist fraglich, ob Anwender ein solches Risiko eingehen sollten, und ob ein sie einem Lieferanten weiterhin solche Margen gestatten sollten. 

Fazit

Die Neuausrichtung von Microsoft hat nicht nur Auswirkungen auf den Konzern und die Handlungsgehilfen (IT-Channel), sondern auch auf die Anwender. Für viele Unternehmen ist Microsoft ein strategisch wichtiger Lieferant von Software und teilweise schon für Services. So hat eine Vielzahl von Unternehmen langfristige Verträge mit hohen finanziellen und organisatorischen Auswirkungen abgeschlossen. Es ist keine Seltenheit, dass Unternehmen pro Client („klassischer PC“) und Jahr einen mittleren dreistelligen Euro-Betrag zahlen. Hinzu kommen indirekte Aufwendungen für Schulungen, Wartung, Bereitstellung und Implementierung. Die technische und funktionelle Reife der Produkte hat direkte Auswirkungen auf die Gestaltung der Arbeitsabläufe und Arbeitsweise der Mitarbeiter.

Da ist es kein Wunder, dass IT-Entscheider und Unternehmenslenker das natürliche Interesse haben, zu wissen, welche Software der Lieferant Microsoft in den kommenden Monaten und Jahren anbieten wird. Allerdings tut sich Microsoft – wie nahezu alle Anbieter – schwer damit, eine verbindliche zeitliche und inhaltliche Roadmap zu kommunizieren. Einerseits beeinflusst die Veröffentlichung einer solchen Roadmap die kurz- bis mittelfristigen Kaufentscheidungen, steigert die Erwartungshaltung der Anwender und schwächt den Marketinghebel zur eigentlichen Produkteinführung am Markt. Auf der anderen Seite setzen zu viele Detailinformationen das eigene Unternehmen und die Mitarbeiter unter Druck und eine Verzögerung wird vom Markt in der Regel als Schwäche und Versagen aufgefasst. Insbesondere durch Ankündigungen von Innovationen kommt es bei Einführungs- und Beschaffungsentscheidungen für Informationstechnologien immer wieder zu Kaufzurückhaltung bzw. zu einer Verschiebung von Migrationsprojekten. Dies ist insbesondere auch dann der Fall, wenn der Lieferant sich gerade neu erfindet.

Um ein böses Erwachen zu vermeiden und sich Handlungsoptionen zu erarbeiten, müssen IT-Verantwortliche gegensteuern und die aktuelle sowie zukünftige Rolle von Microsoft als Lieferant für Software und Services kritisch prüfen. Einzubeziehen sind hier unterschiedliche Fachbereiche wie Controlling, Personalwesen oder gegebenenfalls die Rechtsabteilung. 

Zu betrachten ist neben der eigenen Situation die Entwicklung des Service- und Produktportfolios von Microsoft. Hierzu zählen neben den „üblichen Verdächtigen“ wie Windows, Office, Server oder Cloud auch bahnbrechende und richtungsweisende Ansätze wie „Kinect für Windows“. Besonderes Augenmerk ist auf Verträge, sich häufig ändernde Lagebestimmungen und die unterschiedlichen Editionen zu legen.

Research

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