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Mobile Enterprise: Laptop oder Tablet, das ist nicht die Frage

Dr. Henning Dransfeld

Dr. Henning DransfeldHeute war ich bei einem typischen Research-Meeting zum Digital Workspace bei einem etablierten Anbieter. Erst wurde Kaffee serviert, dann kam der obligatorische Austausch von Visitenkarten, dann wurden die Arbeitsmittel ausgepackt: drei Laptops und zwei klassische Notizbücher. Diesmal war tatsächlich überhaupt kein Tablet dabei. Im Jahr 2017. Liegen wir in einem neuen Trend, nachdem ein Marktbericht veröffentlicht wurde, der besagt, dass Smartphone- und Tablet-Verkäufe den niedrigsten Stand seit Jahren erreichen?

Wohl kaum. Wahrscheinlicher ist, dass noch zu viele Aufgaben im „White Collar“ Segment mit Dokumentation und Kommunikation über Word, Powerpoint und Excel zusammenhängen. Zwei Faktoren machen für viele Arbeitnehmer in der Altersklasse 40-55, die von uns gerne als B-Siders* bezeichnet werden, das Tablet noch zum universellen Arbeitsgerät der ersten Wahl:

  1. Text- und Datenverarbeitung über Tablets ist noch zu unbequem. Trotz zunehmend intelligenter Sprachsteuerung über Artificial Intelligence ent-spricht die Nutzung von Powerpoint oder Excel über ein Tablet noch nicht der Praktikalität der Arbeit am Laptop.
  2. Wir sind noch nicht gewohnt, zu PCs zu sprechen statt zu tippen. Genauso wenig wie der Speicherung von halbfertigen Dokumenten in einer Cloud die jeder sehen kann. Vielleicht kann Siri ja schon vieles über Spracheingabe was ansonsten über die Tastatur erledigt wird. Aber wer erklärt dem B-Sider was Siri kann – ohne dass man es durch ausprobieren lernen muss? Wie kann ich Spracheingabe in einer offenen Büroumgebung einsetzen ohne dass mein Text in der Kantine zum Tischgespräch wird? Vielfahrer können zwar auf der Autobahn üben, aber wenn Siri oder der Android Equivalent etwas falsch versteht und beispielsweise während der Fahrt das fertig diktierte Angebot löscht, könnte es teuer und gefährlich werden.

Smartphones und Tablets haben sich mit rasanter Geschwindigkeit im Unternehmen breitgemacht weil der Endanwender sie liebt. Zum Telefonieren, Chatten, kurze Emails schreiben, zum Surfen, zum Präsentieren und zum Konsumieren von Informationen. Diese müssen allerdings verdaulich aufbereitet werden – durch die Explosion von mobile Apps sind wir im letzten Jahrzehnt sehr verwöhnt worden. Doch zur Verarbeitung von komplexen Dokumenten, Präsentationen oder Spread Sheets wünschen sich die Wenigsten ein Tablet. Jedenfalls nicht, wenn sie vor die Wahl gestellt werden und ihren Laptop dafür abgeben müssten. Um das zu ändern müsste nicht nur die Spracheingabe besser werden.

Bottom Line (ICT-Anbieterunternehmen):

Das Mobile Workspace Konzept nimmt eine immer wichtigere Rolle im Gesamtkontext ein. In unserem gerade abgeschlossenen Research zum Digital Workspace Benchmark 2017 beobachten wir die immer wichtigere Integration von Unified Endpoint Services. Diese umfassen neben klassischen Microsoft-OS dominierten PCs auch die mobilen Endgeräte von iOS und Android. Beides wird auch mittelfristig über Endgeräte, Betriebssystem und Anwendungen abzusichern und zu unterstützen sein.

Die Nutzung von Sprachsteuerungssystemen für den täglichen Arbeitsgebrauch im Büro hängt von wichtigen Voraussetzungen ab. Arbeitnehmer sind das Sprechen von Kommandos zu einer Maschine nicht gewohnt. Zudem müssen konzeptionelle Möglichkeiten geschaffen werden, in denen Menschen zu ihren Maschinen reden können ohne Andere zu stören.

Tablets werden Laptops insgesamt nur langsam ersetzen. In einigen Berufsgruppen langsamer als in anderen. Das gerade verhängte Flugverbot für Laptops nach Nordamerika und Großbritannien aufgrund von Befürchtungen, dass sie als Versteck für Bomben dienen kann diese Entwicklung etwas beschleunigen. Doch CIOs sind insgesamt gut beraten, sich auf eine umfassende zweigleisige Strategie einzulassen.