Client of the Future Programm
Client of the Future Multi-Client Studie
Übersicht
Client Virtualisierung: der nächste Hype?!
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung verschieben sich nun auch langsam wieder die Prioritäten der IT-Entscheider. Statt kurzfristig Kosten einsparen zu wollen, rücken langfristige Überlegungen und Produktivitätssteigerungen wieder mehr in den Fokus, Besonderes Interesse kommt dabei den effizienten Hardware-Nutzungsmodellen entgegen. Und während Server- und Storagevirtualisierung mittlerweile in vielen Unternehmen bereits zum Standardrepertoire gehören, steht mit der Virtualisierung der Clients nun die nächste Aufgabe an.
Im Unterschied zur Server- und Storagevirtualisierung spielen nun aber nicht mehr ausschließlich die Kostenüberlegungen mit Blick auf die TCO der traditionellen Desktop Infrastrukturen (Beschaffung, Konfiguration, Installation, Helpdesk, Sicherheit und Compliance und Management) eine Rolle. Auch der Wunsch nach größerer Anpassungsfähigkeit der Client-Infrastrukturen auf sich ändernde geschäftliche Anforderungen wird größer, ebenso wie die Forderung nach Erhöhung der Produktivität der Task- und Knowledge Worker.
Derzeit liebäugeln vor allem die Finanzchefs mit der Virtualisierung, da ein hoher Prozentsatz der momentanen IT-Kosten noch durch Administration und Management der Client Infrastrukturen aufgebraucht wird. Aber auch Client Verantwortliche und CIOs sehen in der Virtualisierung eine Chance, da Sicherheit, Datenschutz und Management wesentlich erleichtert werden kann. Die Endanwender signalisieren hingegen deutlich, dass durch einen zentralen Ansatz keinesfalls auf ihr „Benutzererlebnis“ eingeschränkt sehen wollen. Im Gegenteil wird die Forderung nach der Integration von SmartPhones oder der Zugriff auf Unternehmensapplikationen von allen möglichen Endgeräten immer lauter, ebenso wie die Möglichkeit eigene Endgeräte zu beschaffen und im Unternehmen zu nutzen.
Die unterschiedlichen Anforderungen und Zielsetzungen spiegeln sich in den unterschiedlichen Ansätzen und Strategien zur Virtualisierung der Clients wider. Das Spektrum reicht von der einfachen Client-Virtualisierung mittels eines Hypervisors über schon klassische Server Based Computing Lösungen bis hin zur Virtual Desktop Infrastructure, bei der die Benutzer auf eine virtuelle Maschine zugreifen, die ihren kompletten persönlichen Desktop repräsentiert und physikalisch auf einem Server lagert.
Welche Technologien nun für welche Anforderungen geeignet sind und ob nur eine oder mehrere Technologien parallel zum Einsatz kommen sollen, ist eine Frage, über die viele Unternehmen derzeit intensiv nachdenken. Allen Technologien zur Client-Virtualisierung ist aber bislang gemein, dass sie für einen organisationsweiten Einsatz noch nicht „reif genug“ sind. Wohl aber sind bestimmte Einsatzbereiche schon heute sehr sinnvoll und mittels virtueller Desktops zu betreiben, so z.B. Call Center, Helpdesks, Anbindung von kleinen Außenstellen von Unternehmen, Stationslösungen im Gesundheitswesen etc..
Die entscheidende Frage für viele Anbieter ist daher dieses Jahr, in wie weit Unternehmen den Argumenten der Protagonisten der Client Virtualisierung in diesem und im nächsten Jahr bereit sind zu folgen.
Welcher Virtualisierungs-Ansatz nun konkret wie geeignet für ein Unternehmen ist, sollte stets durch eine sorgfältige Analyse im Vorfeld geprüft werden, wofür mittlerweile immer mehr Dienstleister aber auch Systemhäuser und Berater ihre Dienste anbieten. Auf jeden Fall müssen Zielsetzung des Unternehmens, IT-Infrastruktur und vorhandenes Know-how sorgfältig analysiert werden. So ist VDI beispielsweise nur eine Möglichkeit der Bereitstellung. Die hohe Komplexität, und die nicht zu unterschätzenden Kosten in Folge einer VDI-Lösung stellen zudem nicht geringe Hürden dar, so dass für manche Unternehmen die altbekannten Server-based-Computing Lösungen völlig ausreichend erscheinen dürften, zumindest im Bereich der Task-Worker. Ins Spiel kommen dürften VDI-Lösungen allerdings dann, wenn es um die Erschließung neuer Nutzergruppen geht, z.B. Knowledge Worker.
Ein aktueller Anlass verstärkt über die Desktop-Virtualisierung nachzudenken, könnte durchaus durch die von vielen Anwendern für 2010/2011 geplante Migrationsvorbereitung auf Windows7 bestehen, nachdem Vista von vielen ausgelassen wurde, muss nun ein Umstieg erfolgen, u.U. fällt auch ein Austausch der Rechnerhardware an.
Anbietermarkt für Desktop Virtualisierung
Derzeit positionieren sich eine Reihe von Anbietern für Virtualisierungstechnologien am deutschen Markt mit zum Teil sehr unterschiedlichen Ansätzen. Neben Microsoft und Oracle/Sun liefern sich vor allem die zwei Protagonisten Citrix und VMWare mit ihren Partnern derzeit einen heftigen Kampf um die potenziellen Client-Kunden. Beide Anbieter hatten im Herbst 2009 Version 4 ihrer Lösungen (Citrix-XenDesktop beziehungsweise VMware View) auf den Markt gebracht, mit denen sich die Desktops in einen zentral gemanagten Service verwandeln lassen. Aber auch der Open-Source-Anbieter Red Hat hat mittlerweile seine eigene „Enterprise-Virtualization“-Lösung für Desktops zur Verfügung gestellt, und die IBM Software-Group stellt seit Anfang 2009 einen Linux-basierten virtuellen Desktop bereit. Daneben gibt es nach Beobachtungen noch eine ganze Reihe weiterer Player, die sich am deutschen Markt nun verstärkt positionieren wollen, wie z.B. die stark auf das Zielsegment der kleinen Unternehmen ausgerichtete Kaviza oder die Firmen Parallels und Quest Software. Für spezielle Lösungen bzw. Problemstellungen im Umfeld der Desktop Virtualisierung haben sich ebenfalls schon einige Unternehmen am Markt einen Namen gemacht (z.B. Thin Print für Drucklösungen in virtuellen Umgebungen).
Auch die Thin Clients bzw. deren Anbieter, die zwischen fünf und zehn Prozent des Desktopclients-Marktes ausmachen, werden von der wachsenden Nachfrage nach Virtualisierungslösungen auf dem Desktop profitieren können. Schon seit einiger Zeit wächst der Markt wesentlich stärker als der Markt für PC’s. Wichtige Anbieter für Deutschland sind hier IGEL, HP+Neoware, Ncomputing, NEC, Pano Logic, Sun Microsystems/Oracle und Wyse.
Am meisten aber dürften die Dienstleister von dem Virtualisierungstrend profitieren, da die Komplexität hinter den Client-Virtualisierungsprojekten nicht zu unterschätzen ist. So bieten die IT-Dienstleister z.T. vorkonfigurierte Lösungen an bzw. implementieren, betreiben und managen die entsprechenden Lösungen bei ihren Kunden. Entsprechend entwicklen sich auch derzeit die Angebotenen Lösungen für das Client Management sehr dynamisch weiter und reichen von einfachen Integrationsangeboten über Managed Services und rollenbasierte Ansätze bis hin zu Hosted Virtual Clients und komplettem Outsourcing. Welche Lösungen die Anwender in den nächsten 1 bis 2 Jahren konkret nachfragen werden, bleibt zu untersuchen.
Insgesamt ist der Anbieter- und Servicemarkt einer großen Dynamik unterworfen, was Übernahmen und Partnerschaften angeht. Anwenderunternehmen müssen ihre Lösungen daher auch unter diesem Aspekt einschätzen können.

